, Lipp Michael

SoFi 2026: Dopplereffekt der anderen Art

Am 12. August 2026 zieht der Mond vor der Sonne vorbei. Während der Kernschatten Grönland, Island sowie Teile Spaniens überquert, zeigt sich in der Schweiz eine aussergewöhnlich tiefe partielle Sonnenfinsternis mit einer Bedeckung von rund 90 Prozent. Das seltene Himmelsereignis verändert für kurze Zeit auch die Eigenschaften der Ionosphäre und bietet damit interessante Beobachtungsmöglichkeiten für den Amateurfunk.

Am 12. August 2026 richtet sich der Blick vieler Funkamateure und Astronomiebegeisterter an den westlichen Himmel. Die totale Sonnenfinsternis verläuft über Grönland, Island sowie den Norden Spaniens und die Balearen. In der Schweiz bleibt die Finsternis partiell, erreicht jedoch je nach Standort eine Bedeckung der Sonnenscheibe von rund 90 bis 92 Prozent.

Für den Amateurfunk ist eine Sonnenfinsternis mehr als ein eindrucksvolles Naturschauspiel. Die verringerte Sonneneinstrahlung beeinflusst die Ionosphäre unmittelbar. Besonders die D-Schicht reagiert innerhalb weniger Minuten auf den Rückgang der ultravioletten Sonnenstrahlung. Ihre absorbierende Wirkung nimmt deutlich ab, wodurch sich die Dämpfung auf den unteren Kurzwellenbändern sowie im Mittelwellenbereich vorübergehend reduziert. Gleichzeitig verändert sich die Elektronendichte in den höheren Ionosphärenschichten. Dadurch verschieben sich die Ausbreitungsbedingungen für Hochfrequenzsignale messbar.

Wissenschaftliche Messkampagnen während früherer Sonnenfinsternisse haben gezeigt, dass sich dabei unter anderem die Maximum Usable Frequency (MUF) und die effektive Reflexionshöhe der Ionosphäre verändern. Diese Veränderungen können sich auf Reichweiten, Signalstärken und Laufzeiten von Funkverbindungen auswirken. Die Stärke der Effekte hängt von der geografischen Lage, dem Sonnenstand und den aktuellen ionosphärischen Bedingungen ab.

Mit hochstabilen Referenzsignalen lassen sich zudem sehr kleine Frequenzverschiebungen beobachten. In der Fachliteratur werden sie als ionospheric Doppler shifts bezeichnet. Sie entstehen nicht durch eine Relativbewegung von Sender und Empfänger, sondern durch die zeitliche Änderung der Ausbreitungsbedingungen in der Ionosphäre und der daraus resultierenden Änderung der Phasenlaufzeit des Funksignals. Solche Frequenzänderungen liegen typischerweise im Bereich von Bruchteilen eines Hertz und lassen sich mit geeigneter Messtechnik nachweisen.

Für Funkamateure ergeben sich dadurch interessante Möglichkeiten, die Auswirkungen der Sonnenfinsternis zu dokumentieren. Besonders kontinuierlich sendende HF-Baken, WSPR- und CW-Messungen sowie Vergleiche von Signalstärken und Frequenzabweichungen liefern wertvolle Beobachtungsdaten. Auch internationale wissenschaftliche Projekte haben in der Vergangenheit Amateurfunkstationen erfolgreich in entsprechende Messkampagnen eingebunden.

Wer die Sonnenfinsternis optisch beobachten möchte, sollte ausschliesslich zugelassene Sonnenfilter oder geeignete Sonnenfinsternisbrillen verwenden. Da in der Schweiz keine Totalität eintritt, bleibt ein Augenschutz während der gesamten Beobachtungsdauer zwingend erforderlich.

Spektakulärer Abend, nicht nur wegen der Sonnenfinsternis!
Der 12. August 2026 hält gleich zwei astronomische Höhepunkte bereit. Am Abend steht die tiefe partielle Sonnenfinsternis über der Schweiz im Mittelpunkt. Nach Einbruch der Dunkelheit erreicht zudem der Perseiden-Meteorstrom sein Maximum. Dank Neumond sind die Beobachtungsbedingungen ausgezeichnet. Kurz nach Sonnenuntergang zeigt sich zudem die helle Venus tief über dem westlichen Horizont, während die übrigen Planeten erst am Morgenhimmel erscheinen.
Aus Sicht eines Funkamateurs wird es eine lange, spannende und lehrreiche Nacht werden.

 

Quellen

Bundesamt für Gesundheit (BAG) – Sonnenfinsternis vom 12. August 2026 – https://www.bag.admin.ch/de/sonnenfinsternis-12-08-2026

European Space Agency (ESA) – Erleben Sie gemeinsam mit der ESA die totale Sonnenfinsternis am 12. August 2026 – https://www.esa.int/Space_in_Member_States/Austria/Erleben_Sie_gemeinsam_mit_der_ESA_die_totale_Sonnenfinsternis_am_12._August_2026

Haus der Astronomie – Partielle Sonnenfinsternis am 12. August 2026 – https://www.haus-der-astronomie.de/sofi2026-news

Davies, K. – Ionospheric Radio. Peter Peregrinus Ltd., 1990.

Hargreaves, J. K. – The Solar-Terrestrial Environment. Cambridge University Press, 1992.

Afraimovich, E. L. et al. – GPS monitoring of the ionosphere during solar eclipses. Journal of Atmospheric and Solar-Terrestrial Physics, 64(18), 2002.

Coster, A. J. et al. – GNSS observations of ionospheric variations during the 21 August 2017 solar eclipse. Geophysical Research Letters, 44, 2017.

Frissell, N. A. et al. – HamSCI observations of ionospheric impacts during the 2017 total solar eclipse. Geophysical Research Letters, 45, 2018.

Recherchen zum Artikel mit Hilfe von Google Gemini und Chat GPT. Die Ergebnisse wurden so weit wie möglich verifziert.